AWG Güstrow

Genossenschaftsgedanke

Eine gute Tradition hat das Genossenschaftswesen in Deutschland. Seine Wurzeln liegen bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es ist eng mit solchen klangvollen Namen wie Friedrich-Wilhelm Raiffeisen und Victor Aimé Huber verbunden.

"Genossenschaften sind immer das, was menschliche Einsicht, geistige Kraft und persönlicher Mut aus ihnen machen." Friedrich-Wilhelm Raiffeisen (1881)


Genossenschaften sind immer dann entstanden, wenn es darum ging, eine spezielle Not durch gemeinsames Handeln zu bewältigen. Im Verlauf der letzten 150 Jahre haben sich sehr oft die Lebensbedingungen der Menschen in Deutschland geändert. Viele Brüche hat es in der Entwicklung gegeben.

Immer gab es relativ Mittellose und relativ Wohlhabende und immer waren es die Genossenschaften, die durch ihre Mitglieder Antworten auf die Fragen der jeweiligen Zeit gefunden haben; ob es auf die soziale Not des 19. Jahrhunderts oder auf die Wohnungsnot und andere Mangelsituationen zu DDR-Zeiten war.

Genossenschaften leben immer von dem Willen der Mitglieder, die speziellen Herausforderungen durch gemeinsames Handeln zu bewältigen. Gemeinnutz steht bei ihnen vor Eigennutz. Es gab Zeiten, da galten sie als "rot", aber auch Zeiten, wo sie als "Überbleibsel der Vergangenheit" eingestuft wurden. Dabei ging es den Genossenschaften nie um Tagespolitik, sondern immer darum, die Auswirkungen der Politik für die Menschen durch Hilfe zur Selbsthilfe verträglich zu machen. Wie lebendig das Genossenschaftswesen in der Wohnungswirtschaft des Landkreises Güstrow ist, stellen die 6 Wohnungsgenossenschaften Tag für Tag unter Beweis. Ob es der Ausbau der innergenossenschaftlichen Demokratie, sozial verträgliche Mieten, die Betreuung älterer Mitglieder, die Entwicklung zeitgemäßer Dienstleistungen oder die schrittweise Verbesserung der Wohnbedingungen der Mitglieder ist - all dieses stellt eindrucksvoll unter Beweis, wie aktuell und für die Menschen nützlich die Genossenschaftsbewegung in der heutigen Zeit ist.

Die Genossenschaften haben ihre Antworten auf die Herausforderungen der sozialen Marktwirtschaft in den letzen 20 Jahren auch in Ostdeutschland gefunden und sich zu modernen Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Es ist sicher, dass sie sich erfolgreich den künftigen Aufgaben stellen werden. Nicht Jeder kann sich ein Einfamilienhaus oder eine Eigentumswohnung kaufen. Angesichts leerer Kassen und leerer Wohnungen wird der Tag nicht mehr fern sein, an dem der Staat die Wohnungsbauförderungen auf den Prüfstand stellt und sich auf die Kraft des Genossenschaftswesens besinnt. 

Insofern wird es auch künftig reichhaltige Betätigungsfelder für Genossenschaften geben. Bereits 1980 hat der damalige Bundespräsident Karl Carsten das Genossenschaftswesen mit folgenden Worten gewürdigt: "Wenn wir uns heute rühmen, in einem Land zu leben, in dem sozialer Friede herrscht, so haben die Genossenschaften daran einen wichtigen Anteil." Worte, die eindeutig die unverzichtbare Rolle von Genossenschaften in der sozialen Marktwirtschaft bestimmen. Ob in der Wohnungswirtschaft, im Bankenwesen, in der Landwirtschaft und auf vielen anderen Gebieten tragen sie Tag für Tag dazu bei. Ihre Mitglieder sind Miteigentümer des jeweiligen Unternehmens und geben als solche der sozialen Marktwirtschaft ein spezielles Gesicht.

Norbert Karsten
(Vorstandsvorsitzender der AWG Güstrow - Parchim und Umgebung eG)